Oktober 31 2017

Der Eierskandal ist längst „gegessen“

Die Meldungen mit Fipronil verseuchten Eiern verblassen. Andere Schlagzeilen beherrschen die Titelseiten der Gazetten: Der Eierskandal ist längst „gegessen“.

Wen juckt’s, dass das Rühreigebäck Frangipane mit erhöhten Fipronil-Werten aus dem Verkauf genommen wurde. Fast wöchentlich gibt es irgendwo eine Rückrufaktion von Lebensmitteln, weil entweder Fleischwaren mit Salmonellen verseucht, Listerien in Käse gefunden oder scheinbar ganz harmlos: ein Allergen in einer Kartoffelchipstüte von der Zutatenliste nicht erfasst worden ist.

In den letzten 20 Jahren hat es mehr als hundert Lebensmittelskandale gegeben. Gammelfleisch, Dioxin oder Pferd statt Rind. Ein Drittel davon betrifft unseren Fleischkonsum.

Die Schuld immer bei der Großindustrie zu suchen, ist zu einfach: Tiefkühllasagne für 2,17 €, fünfhundert Gramm Rinderhack für schlappe 3 Euro – möglichst billig sollen Lebensmittel bitteschön sein, verlässlich und auch noch verdammt gut aussehen.

Dabei weiß im Grunde genommen jeder: Billig wird Fleisch, Obst und Gemüse durch industrielle Produktions- und Verarbeitungsmethoden. Die Masse macht’s.

Das große „Fressen“ geht so lange gut, bis ein Skandal die Ruhe stört: eine Fipronilspur im Ei, ein Pferd in der Lasagne oder Gammelfleisch im Döner. Dann ist die Aufregung groß und der Verbraucher findet Bio plötzlich toll, auch wenn’s dann etwas teurer ist. Doch sobald die Schlagzeilen verblassen, kehrt man gerne zu alten Mustern zurück.

Selbstverständlich hat jeder Verbraucher Anrecht auf verlässliche Lebensmittel, auch wenn sie nicht „öko“ sind. Aber Tatsache ist auch: Eine industrielle Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion kann nicht nachhaltig sein.

Es geht auch nicht darum, auf Eier und Fleisch zu verzichten. Wenn wir langfristig Lebensmittelskandale vermeiden wollen, müssen wir unser gesamtes Konsumverhalten ändern: wie wir essen und wie wir kaufen.

Es klingt seltsam und doch haben wir Verbraucher es in der Hand: regionale Lebensmittel kaufen ist schon mal ein Anfang. Am besten Bio, wenn’s geht. Lokale Produzenten sind einfach „vertrauenswürdiger“ als der Griff ins Tiefkühlregal der Großindustrie. Ein regionaler Produzent darf sich keine „betrügerischen“ Fehler leisten, denn er ist ja quasi der Nachbar, der für sein Produkt einstehen muss. Oder?

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