Oktober 31 2017

Glyphosat: Die Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel

12.05.2017 – Der Glyphosat-Skandal hat Folgen für Behörden und Wissenschaft: die Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel, sagt die Verbraucherschutzzentrale Ostbelgien.

Glyphosat ist ein Wirkstoff, der in zahlreichen Pestiziden zum Einsatz kommt und im Verdacht steht, Krebs auszulösen. Die pflanzenvernichtenden Eigenschaften von Glyphosat wurden von der Firma Monsanto in den 1970er Jahren patentiert. Das Mittel kam unter dem Namen „Roundup“ auf den Markt und wurde zum Bestseller. Glyphosat befindet sich aber auch in vielen anderen Unkrautvernichtungsmitteln.

Monsanto-Papers

Ein Gericht in Kalifornien hat im März die Veröffentlichung interner E-Mails von Mitarbeitern des Agrarriesen Monsanto freigegeben. Dort tauchen in Zusammenhang mit Studien zu Glyphosat die Namen renommierter Wissenschaftler auf, unter anderem der belgische Toxikologe Mark Martens. Dieser steht im Verdacht, einen britischen Professor bestochen zu haben, damit dieser eine positive Studie zu Glyphosat verfasst.

Darüber hinaus offenbaren die Monsanto-Papers, dass Monsanto im Verborgenen an Studien mitgearbeitet haben soll, die später als Arbeiten unabhängiger Wissenschaftler ausgegeben worden seien.

„Ich habe meinen Augen nicht getraut!“

Wissenschaftliche Studien dieser Art spielen bei Behördenentscheidungen eine wichtige Rolle, auch bei der europäischen Chemikalienagentur ECHA in Helsinki. In einem Interview der deutschen Sendung „Fakt“ sagt der Toxikologe Dr. Peter Clausing, der als Beobachter einer Nichtregierungsorganisation zu den Gesprächen in Helsinki zugelassen war: „Ich habe meinen Augen nicht getraut, als ich sah, dass die Industrie, Kommentare zu dem Entwurf des Bewertungsberichts einbestellt hat. Für uns als NGOs war so etwas völlig unbekannt, dass so etwas möglich sein sollte. Ich denke, die Industrie hat versucht, auf die Bewertung der Behörde Einfluss zu nehmen“.

Damit stehen die Glaubwürdigkeit der Wissenschat und die der Behörden auf dem Spiel. Dies hat auch Folgen für den Verbraucherschutz: „Wir als Verbraucherschutzorganisation sind auf fundierte Informationen der Behörden angewiesen. Wenn diese Informationen aber aufgrund von Entscheidungen getroffen wurden, die alles andere als unabhängig waren, dann haben wir ein Problem“, sagt VSZ-Geschäftsführer René Kalfa.

Auch im Falle von Glyphosat. „Sollte die EU-Kommission am Ende den Wirkstoff Glyphosat für weitere 15 Jahre verlängern, muss die Frage erlaubt sein: Hat die EU-Kommission die richtige Entscheidung getroffen, wohlwissend, dass die Industrie vorab massiv Einfluss auf die Entscheidung genommen hat?“, so René Kalfa.

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