Mai 03 2021

Nein zu neuen GVO

Die Vereinigung Nature et Progrès fordert einen gesetzlichen Rahmen für neue Gentechnikmethoden und ihre Produkte zum Schutz der Umwelt, der Gesundheit und aus Gründen der Informationsfreiheit. Die VSZ unterstützt diese Forderung.

Seit Jahren versucht die Agrarindustrie, Einfluss darauf zu nehmen, was offiziell als Gentechnik gilt und entsprechend reguliert wird – und was nicht. Der Grund dafür ist offensichtlich: Der Großteil der VerbraucherInnen lehnt Gentechnik auf ihrem Teller und auf dem Acker ab – nach einer aktuellen Studie des deutschen Bundesamts für Naturschutz sind dies in Deutschland über 80 Prozent.

Politischer Kontext

Seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshof vom 25. Juli 2018, das erklärt, dass Organismen, die aus diesen neuen Gentechnik-Verfahren stammen, eigenständige GVOs sind und daher unter die GVO-Richtlinie fallen, übt die Agrarindustrie verstärkt Druck auf die EU-Kommission, das Europäische Parlament und auch auf die Mitgliedstaaten aus.Als eigenständige GVOs müssen diese Produkte auf Lebensmittelebene zurückzuverfolgen und gekennzeichnet sein und vorab einer Risikoanalyse für Gesundheit und Umwelt unterzogen werden. 

Doch nun steht zu befürchten, dass eine voraussichtlich noch im April erscheinende Studie der Kommission dazu führen könnte, dass Gentechnik neu definiert wird. Mit den neuen Methoden erzeugte Tiere und Pflanzen könnten dann schon bald Einzug in unsere Ställe und auf unsere Äcker halten. 

Folgen einer Deregulierung neuer GVOs

Eine Aufweichung der Definition von Gentechnik würde so die Wahlfreiheit der VerbraucherIinnen und die Sicherheit von Mensch und Umwelt gefährden und Wege hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft langfristig verbauen.

Was sind neue GVOs?

Bei der ersten Generation GVOs wurde ein fremdes Gen an einer beliebigen Stelle im Genom, das aus der DNA besteht, fixiert. Bei der neuen Methode, zu denen bspw. Verfahren wie CRISPR/Cas gehören, wird die genetische Veränderung dank einer molekularen Schere an einer präzisen Stelle im Genom ausgeführt. Die DNA wird anschließend von den zelleigenen Reparaturmechanismen in der gewünschten Weise repariert. Es wird dabei auch fremde DNA in die Wirtszelle eingeschleust. All diese Techniken – sowohl die alten als auch die neuen – können jedoch genetische Fehler erzeugen, mit unbeabsichtigten Folgen. Die Auswirkungen auf Nahrungsketten und Ökosysteme sind dabei unvorhersehbar. 

Artenvielfalt in Gefahr

Vieles deutet darauf hin, dass alle GVOs die Abhängigkeit von Pestiziden weiter erhöhen werden und somit eine massive Abholzung der Wälder und einen Rückgang der landwirtschaftlichen und allgemeinen Artenvielfalt zur Folge haben werden. Somit werden Kleinbauern weiter an den Rand der Gesellschaft gedrückt. 

Gentechnik als Werkzeug zur Aufrechterhaltung der industriellen Landwirtschaft und der Massentierhaltung

Mit den neuen gentechnischen Verfahren werden Organismen gezüchtet, die sich an das agrarindustrielle Modell anpassen sollen – beispielsweise Pflanzen, die als einzige Pflanzen auf dem Acker eine Dusche mit Pestiziden überleben oder Tiere, die „besser“ an die Zumutungen der quälerischen Massentierhaltung angepasst sein sollen.

Viele der Probleme, mit denen die Landwirtschaft heute konfrontiert ist, sind erst durch die Gentechnik entstanden. So zählt die industrialisierte Landwirtschaft zu den großen Verursachern von Treibhausgasen und trägt massiv zu Bodendegradation und weiteren Umweltbelastungen bei. Durch die “neuen” Techniken können wilde Arten in wenigen Generationen verändert oder sogar ausgerottet werden, was den Zusammenbruch von Ökosystemen zur Folge haben kann.

Position von Nature et Progrès Belgien

Nature et Progrès ist nicht gegen die wissenschaftliche Forschung zur Entwicklung von Techniken für die Produktion „neuer GVOs“. Dabei müssen jedoch strenge Sicherheitskriterien eingehalten werden. Deshalb fordert Nature et Progrès, dass die Richtlinie 2001/18 auch für diese neuen GVOs gilt. Außerdem befürwortet Nature et Progrès ein Moratorium für das genetische Forcing mittels CRISPR/Cas9, da es sich hierbei um eine besorgniserregende Gentechnik handelt, die tief in das bis heute noch nicht vollständig verstandene Erbgut lebender Organismen eingreift und diese grundlegend verändern kann. Damit verbunden sind große Risiken für Mensch, Tier und Umwelt. 

Um dieses komplexe Thema verständlicher zu machen, hat Nature et Progrès darüber hinaus ein allgemein verständliches Dokument (in Französisch und Englisch) veröffentlich, das über folgenden Link abrufbar ist: https://www.natpro.be/nouveaux-ogm-non-aux-ogm-caches/


Quellen:

  • Nature et Progrès: La problématique des « nouveaux OGM » : non aux « OGM cachés »
  • „Gentechnik muss auch in Zukunft wirkungsvoll reguliert werden!“, Positionspapier Umweltinstitut München e.V.

 

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Bildquellen:

  • CRISPR – Genschere: Adobe Stock