Oktober 31 2017

Umstrittenes Palmöl im Biodiesel

Biokraftstoffe werden kontrovers diskutiert. Die einen befürworten ihn, weil sich so die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringert, die anderen lehnen ihn ab, weil für seine Herstellung – insbesondere wenn Palmöl verwendet wird – wertvoller Regenwald gerodet wird. Das hat gravierende Folgen für Mensch, Tier und Umwelt, so die VSZ.

Die Nachfrage nach Palmöl steigt. Dies ist nach Ansicht von Bernd Lorch, Pressesprecher der VSZ, vor allem darauf zurückzuführen, dass die EU unbedingt ihre Klimaziele erreichen möchte. Im Klartext heißt das, dass bis 2020 zehn Prozent der Energie für den Transport aus erneuerbaren Quellen stammen soll.

Ein wesentlicher Bestandteil von Biodiesel sind pflanzliche Öle. Hier kommt vor allem Raps in Frage. In Europa reichen jedoch die Anbauflächen für Raps nicht aus, um genügend Rapsöl zu produzieren, damit die EU-Vorgaben überhaupt erfüllt werden können. Also muss eine Alternative gesucht werden und derzeit ist dies Palmöl.

Steigende Nachfrage für Palmöl

Für das Produktionsjahr 2015/2016 wurden mehr als 62 Millionen Tonnen Palmöl weltweit hergestellt. Es lässt sich jedoch nicht genau sagen, wie viel davon in die EU importiert wird. Tatsache ist jedoch, dass Europa der drittgrößte Abnehmer für Palmöl weltweit ist.

Wird Palmöl in Lebensmitteln verwendet, besteht seit Dezember letzten Jahres eine Kennzeichnungspflicht in der EU. Der Verbraucher hat demnach die Möglichkeit, bewusst auf Palmöl zu verzichten… wenn es um Lebensmittel geht. Bei Biodiesel sieht dies allerdings anders aus.

Wie viel Palmöl enthält Biodiesel?

Zahlen des EU-Pflanzenölverbands Fediol legen offen, dass im Jahr 2014 mehr als die Hälfte des in Europa genutzten Palmöls in den Tanks von Autos und LKWs landete. Diese Zahlen wurden von der Brüsseler Nichtregierungsorganisation Transport & Environment (T&E) in Kooperation mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) zusammengestellt. 2010 waren es nur 8 Prozent

Verheerende Folgen

Kritikern zufolge ist Biodiesel um 80 Prozent klimaschädlicher als konventioneller Diesel. Der Einsatz von Biosprit hatte zunächst hehre Ziele: Seine Verbrennung entlässt nur so viel CO2 in die Atmosphäre wie die Pflanzen, aus denen er gewonnen wurde, wieder aufnehmen. Dies sollte zu null Netto-Emissionen führen.

Tatsächlich passiert jedoch das Gegenteil: Berücksichtigt man die Abholzung, sind die Klimaauswirkungen der Biokraftstoffe viel größer als die der fossilen Brennstoffe, zeigt die Forschung.

Der Anbau von Palmöl treibt das Abholzen von Regenwald voran. Damit einher gehen Menschenrechtsverletzungen und Dezimierung der Artenvielfalt, wie die des Orang Utan. Außerdem konkurrieren Biotreibstoffe um immer knapper werdende Anbauflächen für Nahrungsmittel, besonders in Indonesien und Malaysia, wo der Großteil des Palmöls angebaut wird.

Was kann die EU dagegen unternehmen?

Die VSZ fordert, dass die EU die Nachhaltigkeitskriterien für die Einfuhr von Palmöl massiv erhöht. Auf dem Papier wird Palmöl nur aus landwirtschaftlich genutzten Flächen importiert. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus: Indonesien, das mit Abstand produktivste Land in Sachen Palmöl, hat Anträge für zusätzliche 200.000 Quadratkilometer gestellt, um Palmölpflanzen anzubauen und dabei handelt es sich nicht um bereits landwirtschaftlich genutzte Flächen.

Die VSZ fordert, dass der Druck auf die EU-Kommission erhöht werden muss, da in ein paar Monaten ein Vorschlag über die künftigen Regeln für Biokraftstoffe ausgearbeitet werden soll. Dann werden die Mitgliedsstaaten entscheiden, wie u.a. mit Palmöl verfahren wird.

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