Juni 10 2021

Wie das Mercosur-Abkommen zu vermehrtem Pestizid-Einsatz führt

Wer liebt sie nicht, Mangos, Papayas oder Limetten? Südfrüchte erfreuen sich wachsender Beliebtheit und sind mittlerweile in jedem Supermarkt zu finden. Doch kann der Verbraucher diese auch unbeschwert genießen? In diesem Zusammenhang spielt das Mercosur-Freihandelsabkommen eine wichtige Rolle. Die VSZ sagt Ihnen, worauf Sie achten sollten.

Das geplante Mercosur-Abkommen ist ein Handelsvertrag zwischen der EU und den südamerikanischen Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay.

Die südamerikanischen Staaten versprechen sich davon vor allem eine Steigerung ihrer Agrarexporte nach Europa. Die EU hingegen exportiert hochwertige Technologieprodukte, Pestizide, Autos und andere Güter nach Südamerika.

Dieses Handelsabkommen ist jedoch sehr umstritten, da dadurch Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen weiter zunehmen werden. Höhere Agrarexporte bedeuten, dass mehr Regenwald zerstört, mehr Menschen vertrieben und mehr Pestizide versprüht werden.

Pestizide in Südfrüchten

Greenpeace hat im April und Mai in Deutschland 5 verschiedene Früchte aus Südamerika untersuchen lassen, und zwar Mangos, Papayas, Melonen, Feigen und Limetten.

Insgesamt sind dabei 70 Früchte getestet worden, davon enthielten 59 Pestizidrückstände, d.h. 84 Prozent. Und von diesen 59 Früchten haben 4 die Grenzwerte eindeutig überschritten.

Laut Greenpeace wurden 2019 Pestizide im Wert von 915 Millionen Euro aus der EU in den Mercosur-Raum exportiert. Mehr als 2/3 dieser Stoffe sind als hochgefährliche Produkte eingestuft. Einige dieser Pestizide sind in Europa verboten, werden aber weiterhin in Südamerika eingesetzt. Und der Pestizideinsatz wird durch dieses Handelsabkommen beispielsweise noch verstärkt – mit oft gravierenden Folgen.

Folgen des Pestizideinsatzes

„Unter den jüngsten Tragödien im Zusammenhang mit Pestiziden in Brasilien sind wohl die am dramatischsten, bei denen die Wirkstoffe über Dörfer versprüht wurden. In vielen Fällen sind das nachweislich Verbrechen. Das heißt, die Pestizide wurden als chemische Waffen eingesetzt“, sagt Larissa Bombardi, Professorin für Geographie in Sao Paulo, in einem Interview mit der Umweltorganisation Greenpeace.

Die gesundheitlichen Schäden reichen von Erbrechen und Kopfschmerzen bis hin zu Missbildungen von Ungeborenen, Fortpflanzungsschwierigkeiten und Krebs.

 Was muss sich ändern?

Die Experten fordern ein Verbot für jene Pestizide in Brasilien, die in Europa bereits verboten sind. Das Spritzen aus der Luft muss aufhören und Subventionen für Pestizide gestrichen werden. Kleinbäuerliche Strukturen auf dem Land sollten gefördert werden und vor allem muss etwas gegen die Konzentration von Landbesitz unternommen werden.

Was können die Verbraucher hier tun?

Prinzipiell sollte der Verbraucher bevorzugt saisonales und regionales Obst und Gemüse einkaufen.

Wenn es denn aber einmal exotische Früchte sein müssen, sollten diese vor dem Verzehr zunächst gründlich gewaschen werden. Dies gilt natürlich prinzipiell für jedes Obst und Gemüse.

Forderungen an die Politik

In Belgien fordert die Plattform „Stopp EU-Mercosur“ die verschiedenen belgischen Regierungen dazu auf, sich gegen das geplante Freihandelsabkommen Mercosur auszusprechen. Neben der Verbraucherschutzzentrale haben sich auch die breite Gewerkschaftsfront, Oxfam, Greenpeace, Entraide et Fraternité sowie Attac DG der Stopp EU-Mercosur-Plattform angeschlossen.

 

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Bildquellen:

  • Yellow Crop Duster Airplane Aerially Applies Pesticide to Cotton: Adobe Stock